Über die Veranstaltungen in der JVA Bochum berichtete auch das Evangelische Nachrichtenmagazin "IDEA-Spektrum" am 26.05.2011:
Wie predigt man im Gefängnis?
Parzany in der JVA Bochum: Der Knast kann keinen zum Guten zwingen
Bochum (idea) – „Ich habe viel gelernt an diesem Abend und gehe als ein anderer weg, als ich gekommen bin.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich der Leiter der evangelistischen Aktion ProChrist, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), am 25. Mai von seinen Zuhörern in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum. Unter dem Thema „Jesus begegnet Menschen“ hatte er an vier Tagen zu den Gefangenen gesprochen. Während seiner Predigten habe er in „Augen wie aufgerissene Münder“ geschaut, sagte Parzany gegenüber idea. Im Gefängnis sei der Prediger gezwungen, „jeden Schnickschnack wegzulassen“. Problemthemen seien hier nicht angebracht; den Gefangenen erzählte Parzany stattdessen biblische Geschichten. „Die Evangelien sind missionarische Verkündigung“, sagte Parzany; das gelte nicht nur im Strafvollzug. Er habe die Kraft der biblischen Texte auch darin erlebt, wie gut sich die Gefangenen mit den dort handelnden Personen identifizieren konnten. Am letzten Abend stellte Parzany seinen Zuhörern die Geschichte von Zachäus vor, der es als Zolleintreiber durch Betrug und Erpressung zu einem Vermögen gebracht hatte, dessen Leben sich aber durch die Begegnung mit Jesus veränderte. Jesus sei auf Zachäus zugegangen, ohne ihn „an den Ohren zu packen“. Auch der Strafvollzug könne niemanden zum Guten zwingen. Vielmehr habe die Liebe Gottes den „Eisklotz Zachäus“ verändert.
Persönliche Gespräche gefragt
An der Predigtreihe in der JVA Bochum nahmen jeweils etwa 50 Gefangene teil. Im Anschluss trafen sie sich gemeinsam mit rund 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern zu Gesprächen, die in den kommenden Wochen fortgesetzt werden können. Seit 19 Jahren gestaltet die Gefährdetenhilfe Scheideweg (Hückeswagen) eine seelsorgerliche Gesprächsgruppe in der JVA, berichtete der Vereinsvorsitzende, Kriminalhauptkommissar Martin Kielbassa (Velbert). An jedem zweiten Donnerstagabend besuchen etwa 20 ehrenamtliche Mitarbeiter das Gefängnis und führen persönliche Gespräche mit einer gleichen Zahl an Gefangenen. Das Interesse sei so groß, dass es für teilnahmewillige Gefangene eine Warteliste gebe. Die JVA Bochum bietet über 800 männlichen Gefangenen Platz – davon rund 40 vorwiegend älteren in einer Pflegeabteilung.