Mit 35 Jahren hat Eduard gerade im „Gartenbau Scheideweg“ seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner begonnen. Die Droge prägte 18 Jahre seines Lebens – bis er den Ausstieg schaffte.
Eduard wuchs in der ehemaligen Sowjetunion auf. Als er sechs Jahre alt war, verließ der Vater die Familie – und seine Mutter wurde zur Alkoholikerin. Familienleben und Erziehung fand nicht mehr statt. Eduard lebte auf der Straße und kam früh in Berührung mit Alkohol, Drogen und vielem mehr, was die Straße so zu „bieten“ hatte. Als er im Alter von 16 Jahren mit Familienangehörigen nach Deutschland übersiedelte, suchte und fand er wieder schnell Kontakt zu kriminellen und drogenabhängigen Leuten. Das war seine Welt – mit allen Konsequenzen. Die Kriminalität brachte ihn mehrmals ins Gefängnis.
Während seiner zweiten Inhaftierung nahm er sich Zeit, über seine Vergangenheit und seine Zukunftsperspektiven nachzudenken. Er besuchte eine christliche Kontaktgruppe, hörte viel von der guten Nachricht von Jesus Christus und traf Menschen, mit denen er reden konnte. Zu seinem Gesprächspartner fasste er Vertrauen und redete offen über seine Probleme. In seiner Zelle fing Eduard an zu beten – getrieben von seiner Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Rückblickend weiß Eduard: „Ich habe dort in meiner 8-qm-Zelle Gott erlebt und bin Jesus begegnet.“ Hinter den Gefängnismauern erlebte er innere Freiheit und Frieden im Herzen.
Nach seiner Haftentlassung startete er zuversichtlich, voller guter Vorsätze in die Freiheit. „Ich versuchte, mein Leben alleine in die Hand zu nehmen“, erinnert sich Eduard.
Doch er schaffte es nicht. Er versank wieder im Heroinkonsum, in der Kriminalität und der Obdachlosigkeit. Es ging nicht mehr tiefer. Ein Bekannter kam auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht nach Scheideweg gehen will. Eduard wusste: „Das ist meine Rettung!“ Ihm wurde klar, dass Gott ihn nicht vergessen hatte und ihm eine neue Chance gab.
Inzwischen lebt Eduard seit zwei Jahren in einer Gefährdetenhilfe-Wohngemeinschaft. Sein Leben zu verändern, ist für ihn nicht immer leicht, manchmal sogar schmerzhaft. Er möchte sich aber den Herausforderungen des Lebens stellen, weil er weiß: nur so kann ich als Person und als Christ reifen.
Deshalb ist Eduard seit einigen Wochen „Azubi“ – und das mit 35 Jahren! Ziemlich spät – aber nicht zu spät. Wieder die Schulbank zu drücken, ist eine neue Herausforderung. Mit seiner Verlobten Doreen, die er in Scheideweg kennengelernt hat, plant er eine gemeinsame Zukunft. Diese Lebensentwicklungen hatte er sich bis vor einigen Jahren nicht vorstellen können. Das macht ihn dankbar. Darum ist auch der Glaube an Jesus Christus seine Leidenschaft geworden: „Ich habe ihm unendlich viel zu verdanken! Und ich weiß auch, dass ich ohne ihn keine Chance auf ein verändertes Leben hätte.“