Es sieht aus wie ein ziemlich normaler Familienbetrieb. Malermeister Juan und sein Mitarbeiter packen den kleinen Firmenwagen, um sich auf die nächste Baustelle vorzubereiten. Ehefrau Marion arbeitet als „Buchhalterin“ im Heim-Büro, schreibt Rechnungen und nimmt Kundenanrufe entgegen. Der kleine Enrico versucht sich auch schon als Handwerker. Mit seinem Spiel-Werkzeug bearbeitet er alles, was renovierungsbedürftig aussieht – so wie Papa!Juan ist Spanier. Vor mehr als 30 Jahren entschied sich sein Vater, wegen der großen Nachfrage an Gastarbeitern nach Deutschland zu ziehen. Doch Deutschland wurde für Juan zu einem ungeliebten Ort: der Alkoholkonsum seines Vater und der Streit seiner Eltern trieben ihn auf die Straße, um dort mit Freunden unterwegs zu sein. Im Alter von 14 Jahren begann Juan zu kiffen und andere „weiche“ Drogen zu konsumieren. Mit regelmäßigem Drogenkonsum ließ sich das Leben leichter ertragen.
Als Juan eine Ausbildung zum Maler und Lackierer anfing, wurde ihm klar: die Sucht zerstörte sein Leben. Der Spaß wurde zur Bedrohung. Er wollte aufhören, schaffte es aber nicht. Konnte ihm jemand helfen? Überzeugt von der Existenz eines Gottes betete Juan ernsthaft um Hilfe. Ob Gott ihn hören würde? Ganz unerwartet bekam er Kontakt zu Christen, die ihm von Jesus Christus erzählten. Er verließ die alten Freunde aus der Drogenszene, hörte mit dem Drogenkonsum auf und besuchte regelmäßig eine christliche Gemeinde. Juan fand endlich das, wonach er lange suchte: inneren Frieden und Vergebung.
Doch schon bald kam der Rückschlag: Auf einer Urlaubsreise nach Spanien griff er wieder zur Droge. Und es wurde schlimmer als zuvor: härtere Drogen wie Kokain und Heroin kamen dazu. Die Drogen bestimmten sein Leben, Juan war verzweifelt. Am tiefsten Punkt seines Lebens angelangt, betete er wieder zu Gott. Er erinnerte sich: Gott hatte ihn schon mal aus dem Dreck gezogen. Freunde aus seiner christlichen Gemeinde vermittelten ihm den Kontakt zur Gefährdetenhilfe Scheideweg. Als er dort vorsprach, konnte er noch am gleichen Tag in eine Wohngemeinschaft einziehen. Er lernte Menschen kennen, die ähnliche oder noch schlimmere Erfahrungen gemacht und durch die Beziehung zu Jesus Christus neu angefangen hatten. Das gab ihm Mut – und Mut brauchte er. „Früher habe ich mich schnell zurückgezogen und bin in der Depression innerlich untergegangen. Keiner konnte mich mehr erreichen“, erzählt Juan rückblickend. Sechs Jahre lebte er in einer Wohngemeinschaft. Dort lernte er, sich mitzuteilen und Stellung zu beziehen. Die Wohngemeinschafts-Erfahrungen teilt er mit seiner Frau Marion, die vor vielen Jahren mit einem Magersucht-Problem zur Gefährdetenhilfe kam.
Inzwischen hat Juan seinen „Malermeister“ gemacht und einen eigenen Betrieb gegründet. Er versteht etwas von seinem Handwerk und es macht ihm Spaß. Der Malermeister genießt es mit Zufriedenheit, wenn heruntergekommene Häuser, Fassaden und Wohnungen in neuem Glanz erstrahlen. Ähnlich geschah es in seinem Leben: Der Lack war ab. Jetzt ist neue Farbe in sein Leben gekommen – Gott sei Dank! Daraus macht er kein Geheimnis, weder Zuhause, bei Kunden noch im Gefängnis, das er regelmäßig als Kontaktgruppenmitarbeiter besucht.