Die Verantwortlichen für die Gefängnisseelsorge sind innerhalb der kenianischen Justizvollzugsverwaltung die wichtigsten Ansprechpartner für die Gefährdetenhilfearbeit. Aus dem Hauptquartier in Nairobi verantworten sie die Seelsorge und die kirchlichen Aktivitäten in allen Gefängnissen ihres Landes. Reverend Johnson Gatumu leitet die evangelische Gefängnisseelsorge, Reverend Peter Kimani bildet sein katholisches Gegenüber. Im Vergleich zur deutschen Gefängnisseelsorge sind die kenianischen Geistlichen weniger unabhängig, viel stärker in das Vollzugsgeschehen eingebunden und zugleich ein wichtiger und anerkannter Baustein der Resozialisierungsarbeit. In ihren Kirchen stehen die kenianischen Seelsorger dabei vor ganz ähnlichen Herausforderungen wie ihre deutschen Kollegen: Die Bereitschaft zur Integration Haftentlassener in das Gemeindeleben ist schwach und das ehrenamtliche Engagement ausbaufähig. Dabei kommt den kenianischen Kirchen in ihrer Gesellschaft eine vergleichsweise hohe Bedeutung zu: Das Gespräch über den Glauben ist in der kenianischen Gesellschaft alltäglich und normal und die Kirchen können einen starken politischen Einfluss geltend machen. Ende Oktober waren die kenianischen Geistlichen Johnson Gatumu und Peter Kimani für zwei Wochen in Scheideweg zu Gast.
Anlass der Reise war zunächst das 24. Internationale Gefährdetenhilfeforum. Die Tage vor und nach der Konferenz nutzten die Gäste im Rahmen eines von der Gefährdetenhilfe organisierten Programms zu Begegnungen im deutschen Justizvollzug und zum Kennenlernen der Arbeit in Scheideweg. Die vierzehn Tage waren angefüllt mit Gesprächen in den Justizvollzugsanstalten Siegburg, Köln, Schwerte und Geldern, einer Diskussionsveranstaltung an der Universität Köln, dem Besuch eines niederländischen Drogenrehabilitationszentrums, Gesprächen in der Justizvollzugsschule Wuppertal, einem Austausch in der Superintendentur des Kirchenkreises Lennep und der Begegnung mit Ministerialrat Karl Eberhard Löhmer als Vertreter des Düsseldorfer Justizministeriums.