Sportliche Begegnung im Maßregelvollzug
Von einem Besuch unserer Fußballmannschaft im Zentrum für Forensische Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn berichtet Norbert Weber:

 

Samstag, 9.20 Uhr: Treffpunkt am Pflanzenpark in Scheideweg. Ein Kleinbus, neun Ausweise und gemischte Gefühle. Als Fußballer und Freunde sind wir 115 km bis Lippstadt unterwegs.  Ziel ist die Forensische Psychiatrie in Eickelborn. Nach etwa sieben Jahren sind wir die ersten, die als Gruppe dort einen Besuch machen dürfen. Vorausgegangen sind viele Besuche einer kleinen Gruppe aus der Forensik bei uns in Scheideweg. Oft trafen wir uns zum Fußball spielen und anschließendem Essen. Auch heute soll es ähnlich sein - nur an anderem Ort.

Nach gründlicher Kontrolle an der Eingangspforte erwarten uns Gerhard, ein „Patient“, und ein Pfleger. Wir kennen uns und der Empfang ist herzlich. Wir durchqueren das große Gelände bis zu einem Gebäude, aus dem uns wieder bekannte Gesichter entgegenkommen. Gemeinsam gehen wir in den Sporttrakt mit der Turnhalle, wo wir uns bald im Fußball messen werden.
 
Gerhard begrüßt uns noch einmal offiziell und gibt den Startschuss zum Fußballspielen. Wir spielen gegeneinander, danach miteinander, Tore fallen ohne Ende, die Zeit ist kein Problem. Irgendwann haben wir genug und nach dem Duschen erwartet uns ein reichlich gedeckter großer Tisch mit Bergen von Mett und Brötchen. Wir haben Zeit! Wir reden. Belangloses, Wichtiges. Wir haben Fragen. Wir unterhalten uns, wir lachen, wir sind nachdenklich. Zwischendurch ist es möglich, gemeinsam über ein Wort aus der Bibel  nachzudenken und die Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben.
 
Anschließend bekommen wir im Haus eine kleine „Führung“. Es wirkt wie eine Krankenstation - nur mit Gittern vor den Fenstern. Unser Freund Gerhard erklärt uns alles und erzählt, wie er als Christ hier seinen Alltag lebt. Er hat ein eigenes Zimmer. Das ist ihm sehr wichtig, weil er Zeit und Ruhe braucht, um beten zu können. Am Schluss stehen wir im Aufenthaltsraum - und Gerhard betet mit uns. Beeindruckend!
 
Uns bleibt nur noch der Abschied. Es ist anders, als in anderen Gefängnissen. Traurigkeit. Die Männer stehen an der letzten uns trennenden Tür und winken. Ich winke auch. Fast wie betäubt gehen wir durch die Sicherheitsschleusen, erhalten unsere Ausweise zurück und machen uns auf den Heimweg. „Wir haben es gut“, denke ich und hoffe, noch einmal dorthin zu können! Wiedersehen macht Freude!




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