Gefängnisarbeit in Hongkong
Nach einem halbjährigen Aufenthalt in Hongkong berichten Jörn Carsten und Susanne Pfeiffer:

Während unseres Aufenthalts in Hongkong wollten wir unbedingt herausfinden, ob es eine christliche Gefängnisarbeit gibt. Täglich führte unsere Busfahrt vorbei am Gefängnis Pik Uk. „Ob hier wohl Christen aktiv sind?“ - so fragten wir uns. Schon bald kamen wir in Kontakt mit ehrenamtlichen Mitarbeitern der HONG KONG CHRISTIAN KUN SUN ASSOCIATION.
 
1973 waren es Bibelschüler, die zu einer evangelistischen Veranstaltung ins Gefängnis eingeladen wurden. Inhaftierte kamen zum Glauben an Jesus Christus, einige wurden entlassen und begleitet. 1978 wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet. Der Namensteil „Kun Sun“ steht für „Neues Leben“ - ein Begriff auf cantonesisch, der Sprache Hongkongs.
Regelmäßig besuchen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter über 20 Gefängnisse und so genannte Verbesserungsanstalten. Bibelkurse, Musikarbeit, Korrespondenz, Gottesdienste und Kontaktgruppen werden organisiert. Die Begleitung Haftentlassener in Hongkong erweist sich unter den beengten Lebensverhältnissen als fast unzumutbar. Paul Lau, einer der leitenden Mitarbeiter der Organisation, konnte sich kaum vorstellen, für das „Scheideweger Konzept“ des familiären Miteinanders Christen gewinnen zu können. Dennoch sieht auch er die Verantwortung der Christen. Er selbst begleitet Strafentlassene, die nach China verlegt werden, und reist dazu für 2 bis 3 Tage pro Woche ins Landesinnere.
 
An einem Sonntag im September besuchten wir zum ersten Mal das Gefängnis „Shek Pik“ für Lebenslängliche auf der reizvollen Insel Lantau. Maximal zehn Ehrenamtliche werden zu den Veranstaltungen jeweils zugelassen.
Die Gottesdienst-Leitung hat heute Tobias Brandner, ein Schweizer Pfarrer und Professor an der Chinese University, der vor 14 Jahren von der Baseler Mission in die Gefängnisarbeit nach Hongkong berufen wurde. Mit Herz und Engagement ist er seitdem tätig. Die „Kun Sun“ ist eine etablierte Gruppe im Gefängnis. Die Sicherheitskontrolle ist schnell passiert. Begrüßt werden wir von 30 Inhaftierten verschiedener Nationalität, darunter Inder, Koreaner, Taiwanesen und Vietnamesen. Einige Inhaftierte bilden einen Chor und gestalten den Gottesdienst mit. Pfarrer Brandner beherrscht cantonesisch. Seine Frau übersetzt für Englisch sprechende Inhaftierte und Mitarbeiter. Anschließend setzen wir uns zu zweit zusammen ….
 
Lebenslängliche Strafe heißt in Hong Kong bis zu 40 Jahre Inhaftierung. Während dieser Zeit haben einige die Möglichkeit, ein Ausbildungs- oder Schul-Stipendium zu bekommen und so die Jahre gezielt zu nutzen. Hongkongs Strafvollzugs- und Arrestanstalten sowie Rehabilitationsstätten unterstehen dem „Correctional Service Department“. Über eine chinesische Freundin kamen wir in Kontakt mit einem der Repräsentanten dieser Abteilung. Unser Bericht über die Gefährdetenhilfearbeit in Deutschland und weltweit fand hier gute Resonanz. Unser Vorhaben, im Oktober 2010 eine Tournee durch die Gefängnisse Hongkongs zu unternehmen, wurde ebenso begrüßt wie unsere Einladung nach Deutschland.
 
Fotos:
Ehrenamtliche Mitarbeiter der Kontaktgruppe bei Lebenslänglichen im Gefängnis „Shek Pik“, Honkong
Das Gefängnis „Shek Pik“ auf der Insel Lantau, Hongkong

Zu Besuch bei Pfr. Tobias Brandner und Familie



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