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Immer wenn ich clean war, spürte ich eine große Leere in mir.
Ich wuchs in einem schön gelegenen Ort am Rand von Wuppertal auf. Meine Eltern haben ein Haus und einen Hof mit ca. 30 Pferden. Es war eigentlich alles da, um ein zufriedenes Leben führen zu können. Doch ich merkte, dass es einfach nicht so war. Meine Eltern arbeiteten viel, hatten keine Zeit und waren oft angenervt. Von Zufriedenheit und dass es sich lohnt, für das alles zu arbeiten, merkte ich nichts. Mir war klar, dass ich nicht so leben wollte, und das machte ich auch zu Hause deutlich.
Ich dachte auch, dass es sich nicht lohne, 10 Jahre Schule zu machen, um dann 40 Jahre zu arbeiten, um eine Familie zu gründen und so weiter ... Das war alles eine schreckliche Vorstellung für mich. So habe ich viel Mist gemacht. Mit 13 Jahren bin ich beim Klauen erwischt worden. Ich schwänzte die Schule und bin sitzen geblieben. Ich trank viel Alkohol und tat möglichst nur das, was mir Spaß machte. Zu Hause wurde der Stress immer größer. Meine Eltern verstanden mich nicht und ich sie nicht. Die Ehe meiner Eltern wurde auch immer schlechter, und ich habe mich möglichst wenig zu Hause aufgehalten. Mich interessierten andere Dinge. Mit einer Freundin war ich viel unterwegs in Kneipen und Discos. Wir fingen an zu kiffen. Außerdem hatte ich einen Freund, der ein paar Jahre älter war als ich. Mich faszinierte diese andere Welt mit den Drogen, der Musik und dem ständigen Unterwegssein. Immer gab es irgendetwas zu erleben. Die Leute, die brav zur Schule gingen, taten mir leid. Ich dachte: An ihnen zieht das Leben vorbei.
Mit 17 begann ich Heroin zu rauchen und kurze Zeit später zu drücken (spritzen). Die Schule schmiss ich einfach hin. Ziemlich schnell war ich auch körperlich abhängig. Alles drehte sich nur noch um Drogen. Viele Beziehungen und Freundschaften gingen kaputt. Das Tolle am Drogenkonsum wurde auch zum Alltag; alles wiederholte sich nur ständig. Viele "alte Freunde" kamen für längere Zeit in den Knast, einige starben.
Für meine Eltern war es ein großer Schock, als sie erfuhren, das ihre Tochter heroinabhängig war. Sie versuchten oft, mir zu helfen. Ich wollte wirklich raus: Ich war in Krankenhäusern, Entgiftungen und staatlichen Therapien. Aber es änderte sich nichts. Immer wenn ich clean war, spürte ich eine große Leere in mir. Ich wusste nicht, wie ich eigentlich leben konnte. Ich hatte angefangen, Drogen zu nehmen, weil ich kein spießiges, sinnloses Arbeiterleben führen wollte. Ich stellte dann aber fest, dass die Droge auch nur eine Illusion ist. Dazwischen schien es nichts anderes zu geben!
Zum Schluss lebte ich mit einem Mann zusammen, der auch schon mehrere Jahre wegen Drogendealerei im Knast gewesen war. Es waren genug Drogen vorhanden. Aber der ganze Dreck, in dem ich lebte, der Stress ums Geld, mein schmutziges und kaputtes Leben, meine heulenden Eltern und die Angstzustände - all' das machte mich verrückt.
Durch eine Überdosis landete ich noch einmal bei meinen Eltern. Ich machte einen Entzug, obwohl ich keine Hoffnung hatte, aufhören zu können. Ein Mädchen, das mir in dieser Situation helfen wollte, nahm mich mit zur Gefährdetenhilfe Scheideweg. Ich wusste nicht, was das war, ging einfach mal mit. Dort sprach ich mit Friedel Pfeiffer, der die Arbeit leitet und Hans und Dieter. Dieter war selbst einmal drogenabhängig. Im Gespräch merkte ich, dass ich ihnen nichts vormachen konnte. Ich begann zum ersten Mal ehrlich über mein Leben zu sprechen. Auf viele Fragen, wie "Wer braucht dich?", "Wer hat dich wirklich lieb?" konnte ich überhaupt keine Antwort geben. Ich merkte, ich hatte nichts. Sie boten mir an, in eine ihrer Familien zu ziehen.
Ich zog zu Dieter, der mit seiner Frau und vier Kindern hauptsächlich Frauen aufgenommen hatte, die aus der Droge oder dem Knast kamen. Sie erzählten mir, dass mich Jesus verändern könne, wenn ich ihn bitten würde. Das verstand ich zuerst nicht. Ich hatte mich nie mit dem Glauben auseinandergesetzt. Aber ich merkte nach kurzer Zeit, dass etwas passieren müsse, sonst würde ich wieder zurück in die Droge gehen. Es gefiel mir zwar in der Wohngemeinschaft, aber ich fand innerlich keine Ruhe. Ich beobachtete die anderen und merkte, dass sie tatsächlich lebten ,was sie sagten. Sie hatten Ausstrahlung und es war viel Liebe untereinander da. Ich spürte, dass bei ihnen etwas anders war. Da ich wirklich aus den Drogen raus wollte, habe ich an einem Abend gebetet: Gott, wenn es dich gibt, dann vergib mir meine Schuld, den ganzen Mist, den ich gemacht habe und schenke, dass ich noch einmal neu anfangen kann.
Es passierte danach nichts großartiges, aber ich spürte auf einmal Ruhe in mir. Das hatte ich schon lange nicht mehr erlebt; ich war immer gehetzt. Ich dachte immer, da wo ich bin, bin ich falsch. Irgendwo anders muss mehr los sein. Das hatte sich nun verändert. Ich konnte an einem Ort bleiben, ohne abzuhauen.
Danach waren es oft Kleinigkeiten, die mich fast umschmissen. Wenn ich mit irgendwelchen Dingen nicht klar kam, hätte ich mir am liebsten wieder den Kopf zugemacht. Aber da war auf einmal das Wissen, dass es eine andere Möglichkeit gibt, wieder Ruhe zu finden. Ich habe gelernt, mit Jesus über meine Probleme zu reden. Ich sehe ihn als einen guten Freund und als einen Vater, der mich auch erzieht. Das hat mir Sicherheit und Geborgenheit gegeben. Ich wusste, Jesus kann mir keiner nehmen, auch wenn alles um mich herum zusammenbricht.
Ich habe viele Freunde gefunden. Ich bin dankbar für diese Menschen, die wirklich ehrlich zu mir sind, mich auf meine Fehler hinweisen, aber mich trotzdem lieb haben. Seit 1990 lebe ich hier ohne Alkohol, Zigaretten, Drogen ... Es war nicht immer einfach, weil ich oft Dinge an mir bemerkte, die ich nicht verändern kann. Ich kann nicht lieb sein, fromm sein oder mich korrigieren lassen. Aber wo ich mit meiner Unfähigkeit zu Gott gegangen bin, oft nur noch weinen konnte, da veränderte er etwas.
In der Zeit hier schloss ich eine Ausbildung als Floristin gut ab. Die Beziehung zu meinen Eltern ist wieder in Ordnung gekommen. Ich kann mit meinem Vater reden, und meine Mutter hat sich auch für ein Leben mit Jesus Christus entschieden. Sie ist viel unterwegs, um zerstörten Menschen eine Hilfe zu geben. Ich bin heute verheiratet. Wir haben zwei Kinder und teilen unser Leben mit vielen kaputten Menschen.
Zusammen mit einer Kontaktgruppe fahren ich jeden Dienstag nach Köln-Ossendorf in den Frauenknast. Wir sprechen mit Frauen, die keine Hoffnung mehr haben; viele von ihnen nehmen Drogen. Ich kann ihnen berichten, dass in der Bibel eine Antwort zu finden ist und ein Sinn, der das Leben lebenswert macht. Das habe ich selbst erfahren.

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Silke
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