Die Rückkehr abgeschobener Gefangener in ihre Herkunftsländer muss vorbereitet werden. - Diese Forderung richteten die Teilnehmer des "16. Internationalen Kontakttreffens christlicher Gefährdetenhilfen" an die Justizbehörden des Bundes und der Länder. 220 Delegierte aus 38 Vereinen aus vier Kontinenten waren zu der Tagung vom 18. bis 21. Oktober in Lindau (Bodensee) zusammen gekommen. Veranstaltet wurde das Forum von der "Bundesarbeitsgemeinschaft seelsorgerlich-diakonischer Gefährdetenhilfen (BSDG) e.V." und deren internationalem Zweig IACPR (International Association of Christian Charitable Prison and Rehabilitation Ministries).
Berichte aus der diakonischen Straffälligenhilfe in aller Welt verdeutlichten eine Öffnung des Strafvollzuges für gesellschaftliches Engagement bei gleichzeitiger Zunahme sozialer Konflikte. So berichtete die Delegierte des "Crossroads Prison Ministries Mumbai" aus Indien von einer Ausdehnung der Unterrichtstätigkeiten, medizinischen Programme und seelsorgerlichen Gesprächsgruppen weit über die Grenzen Mumbais (das ehemalige Bombay) hinaus - bei gleichzeitiger Zunahme von Anschlägen extremistischer Hindugruppen gegen Kirchen und charitative Einrichtungen. Aus dem an Afghanistan grenzenden Tadschikistan folgten Berichte zu den verheerenden Folgen des Drogenhandels für das Land. Heroin werde säckeweise über die afghanische Grenze ins Land gebracht. Ein großer Teil der in den überfüllten tadschikischen Gefängnissen Inhaftierten seien Menschen, die durch Drogenschmuggel ihre notleidenden Familien versorgen wollten. Aus der ghanesischen Hauptstadt Accra, die nach langer Zeit der Militärdiktatur in diesem Jahr eine demokratisch gewählte Regierung erhielt, wurden von der völlig unzureichenden Versorgung Gefangener und den Bemühungen der neuen Regierung um eine Veränderung dieser Situation berichtet.
Für Deutschland stand die Frage nach der Vorbereitung abzuschiebender Gefangener auf die Rückkehr in ihre Herkunftsländer im Mittelpunkt. "Wenn wir für diese Menschen keine Perspektiven entwickeln und Ansprechpartner in ihrer Heimat finden, werden viele von ihnen in kriminelle oder extremistische Milieus einmünden - und das kann uns bei einer immer enger zusammenrückenden Welt nicht gleichgültig sein", betonte der Vorsitzende der Gefährdetenhilfe Scheideweg, Friedel Pfeiffer. Er berichtete, dass die Mitgliedsvereine der BSDG in vielen Einzelfällen die Rückkehr aus Straf- oder Untersuchungshaft abgeschobener Gefangener nach Osteuropa, Asien und Afrika vorbereiteten und dabei mit Partnerorganisationen in den jeweiligen Ländern zusammenwirkten. "Als Christen sehen wir, dass für jeden Gefangenen neben die Strafvollstreckung ein Wiedereingliederungsangebot treten muss. Wir können uns daher nicht damit zufrieden geben, dass für abzuschiebende Gefangene der Strafvollzug zu einem reinen 'Verwahrvollzug' wird", sagte Pfeiffer weiter. Die deutschen und internationalen Gefährdetenhilfevereine brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, bei der Rückkehrvorbereitung für abzuschiebende Gefangene mit den Justizbehörden zusammen zu arbeiten.